Zinseszins einfach erklärt — Formel, 72er-Regel und Rechenbeispiele | FinanzMatik
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Ratgeber · Sparen & Anlegen

Zinseszins einfach erklärt

Aktualisiert: Juli 2025 · Lesezeit ca. 5 Min.

Kurze Antwort

Zinseszins bedeutet, dass Zinsen selbst wieder Zinsen erwirtschaften. Dadurch wächst Kapital exponentiell — nicht linear. Wer 100 € pro Monat bei 7 % Rendite über 30 Jahre anlegt, hat am Ende nicht 36.000 € eingezahlt + Zinsen, sondern rund 122.000,00 € — davon entfallen ca. 86.000 € allein auf Zinserträge. Ausprobieren mit dem Zinseszins-Rechner.

Die Zinseszins-Formel

Die Formel für Endkapital Kn bei einmaliger Einlage K0, Zinssatz p (in %) und Laufzeit n (in Jahren):

Kn = K0 × (1 + p/100)n

Beispiel: 10.000 € bei 5 % p.a. über 20 Jahre: 10.000 × 1,05²⁰ = 26.533 €. Davon sind 10.000 € das Startkapital und 16.533 € reine Zinserträge.

Die 72er-Regel: Verdopplungszeit im Kopf rechnen

Die 72er-Regel gibt die ungefähre Verdopplungszeit: 72 ÷ Zinssatz = Jahre bis zur Verdoppelung.

ZinssatzVerdopplungszeit (72er-Regel)Exakt
2 % p.a.36 Jahre35 Jahre
4 % p.a.18 Jahre17.7 Jahre
6 % p.a.12 Jahre11.9 Jahre
8 % p.a.9 Jahre9 Jahre
10 % p.a.7.2 Jahre7.3 Jahre

Wachstumstabelle: 100 €/Monat ohne Startkapital

Endkapital bei monatlicher Sparrate von 100 € und verschiedenen Renditen (vor Steuern):

Laufzeit4 % p.a.6 % p.a.8 % p.a.
10 Jahre(eingezahlt: 12.000,00 €)14.774,00 €16.388,00 €18.295,00 €
20 Jahre(eingezahlt: 24.000,00 €)36.800,00 €46.435,00 €59.295,00 €
30 Jahre(eingezahlt: 36.000,00 €)69.636,00 €100.452,00 €149.036,00 €
40 Jahre(eingezahlt: 48.000,00 €)118.590,00 €199.149,00 €349.905,00 €

Monatliche Verzinsung, vor Abgeltungsteuer, keine Anlageempfehlung.

Warum Zeit der stärkste Hebel ist

Ein 25-Jähriger, der 40 Jahre lang 100 € pro Monat bei 7 % anlegt, hat am Ende deutlich mehr als ein 35-Jähriger, der die gleiche Sparrate über 30 Jahre anlegt — obwohl der Unterschied nur 10 Jahre sind. Die frühen Einzahlungen hatten mehr Zeit, Zinseszins zu erzeugen. Jeder Monat Verzögerung kostet mehr als man denkt.

Zinseszins negativ: Schulden vermeiden

Der Zinseszins-Effekt wirkt auch in die andere Richtung. Wer teure Schulden (Kreditkarte: 15–20 % p.a., Dispositionskredit: 10–14 % p.a.) vor sich herschiebt, zahlt Zinsen auf Zinsen. Teure Konsumschulden sollten daher Priorität haben vor dem Investieren — der garantierte "Ertrag" der Schuldentilgung entspricht dem gesparten Zinssatz.

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Häufige Fragen

Was ist Zinseszins einfach erklärt?

Zinseszins bedeutet: Nicht nur Ihr Startkapital, sondern auch die bereits erhaltenen Zinsen werden im nächsten Zeitraum mitverzinst. Dadurch wächst Ihr Kapital exponentiell statt linear. Je früher Sie anfangen und je länger die Laufzeit, desto stärker ist der Effekt.

Was sagt die 72er-Regel?

Die 72er-Regel schätzt die Verdopplungszeit Ihres Kapitals: Teilen Sie 72 durch den jährlichen Zinssatz in Prozent. Bei 6 % dauert es 72 ÷ 6 = 12 Jahre, bis sich Ihr Kapital verdoppelt. Bei 3 % dauert es 24 Jahre. Die Regel gilt exakt nur für moderate Zinssätze, ist aber eine nützliche Faustformel.

Warum beginnt man besser früh mit dem Sparen?

Ein 25-Jähriger, der 40 Jahre lang 100 € pro Monat bei 7 % Rendite spart, hat am Ende ca. 262.000 €. Beginnt er erst mit 35, also nur 10 Jahre später, und spart die gleiche Summe, hat er nach 30 Jahren nur ca. 122.000 €. Die 10 fehlenden Jahre kosten mehr als die Hälfte — das ist die Macht des Zinseszins-Effekts.

Wie wirkt sich die Abgeltungsteuer auf den Zinseszins aus?

Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) unterliegen in Deutschland der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag (effektiv ca. 26,375 %). Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 € p.a. pro Person. Für langfristige ETF-Sparpläne gilt die Vorabpauschale. Nach Steuern sinkt die Nettorendite — eine Rendite von 7 % vor Steuern entspricht ca. 5,2 % nach Abgeltungsteuer.